Moderne Berufe für den Groß- und Außenhandel

20.04.2017

Das Berufsbild Kaufmann/ Kauffrau im Groß- und Außenhandel wurde zuletzt 2006 erneuert. Seitdem haben sich die Anforderungen an die Mitarbeiter im Handel weiterentwickelt. Unter anderem werden mit der fortschreitenden Digitalisierung und der wachsenden Bedeutung des E-Commerce neue Kompetenzen in der Arbeitswelt benötigt. Diese veränderten Anforderungen sollen nun auch in der Berufsausbildung stärker berücksichtigt werden. Zudem ist ein völlig neues Berufsbild in Planung.

Nach fast zehn Jahren nimmt der BGA den digitalen Wandel im Handel zum Anlass, eine Modernisierung des Berufsbildes Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel vorzunehmen, vor allem im Bereich E-Commerce. Zwar gehört es formal schon heute zum Berufsbild, im Rahmen der Anwendung von Informations- und Kommunikationssystemen die Möglichkeiten des elektronischen Handels zu nutzen. Dies gilt es zu auszubauen. Daneben bietet eine Neuordnung die Chance, auch an anderen Stellen nachzusteuern und grundsätzliche Veränderungen in der dualen Ausbildung, wie beispielsweise eine stärkere Kompetenzorientierung, umzusetzen.  

Neues Berufsbild in Planung: Arbeitstitel Kaufmann/-frau für E-Commerce

Parallel hierzu gibt es branchenübergreifend die Absicht, einen völlig neuen Beruf für den Vertrieb von Waren und Dienstleistungen über das Internet (Kaufmann/-frau für E-Commerce) zu schaffen. Ausgehend vom klassischen Versandhandel, hat der E-Commerce wachsende Bedeutung in vielen Wirtschaftsbereichen, z.B. Großhandel, Industrie, Tourismus, Versicherungen, Unterhaltung, Informations- und Kommunikationstechnologie.

Der geplante Beruf soll nicht in direkter Konkurrenz zu klassischen Waren- und Dienstleistungskaufleuten stehen, wie Groß- und Außenhandelskaufmann, Einzelhandelskaufmann oder Tourismuskaufmann, sondern eine Ergänzung des Spektrums der dualen Berufsausbildung darstellen. Vermittelt werden sollen insbesondere Kompetenzen, die durch die Möglichkeiten des Internets und der Digitalisierung im Onlinevertrieb von Waren und Dienstleistungen gefragt sind. Damit soll letztlich auch die duale Berufsausbildung gegenüber der akademischen Bildung im zukunftsträchtigen E-Business gestärkt werden. Eine Binnendifferenzierung des Berufes zur Anpassung an betriebliche Besonderheiten könnte durch Wahlqualifikationen erfolgen. Hier ist die Diskussion aber noch in vollem Gange.

Großes Interesse an Fachleuten für E-Commerce

Die Idee für einen eigenen Beruf im E-Commerce stammt ursprünglich vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh). Mitte dieses Jahres wurde dann ein erstes Konzept zur Diskussion gestellt. Seitdem haben viele Branchen Interesse an diesem speziellen Beruf rund um den Vertrieb über das Internet signalisiert. Auch im Groß- und Außenhandel gibt es den Wunsch nach einem internetaffinen Ausbildungsberuf für das Onlinegeschäft.

Um den Anforderungen der Praxis in den anstehenden Neuordnungsverfahren gerecht zu werden, hat der  BGA eine Befragung der Ausbildungsverantwortlichen im Groß- und Außenhandel durchgeführt. Angesichts einer prognostizierten Dauer der Neuordnungsverfahren von zwei Jahren, ist davon auszugehen, dass die ersten ausgebildeten Kaufleute in den neuen Berufen ihre Ausbildung frühestens 2020 abschließen werden.

[Denis Henkel]

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